Unterhaltungsmusik


Gehobene Unterhaltungsmusik


  • Populäre und kommerzielle, meist leichte Symphonik
  • Unterhaltsam, überblickbar und verständlich für das Publikum
  • Verwendung einfacher Melodien und Harmonien
  • Der Rhythmus hat eine primäre Funktion!
  • Komplizierte Instrumentation (Anforderungen an Arrangeur)
  • Einbezug von Jazz-, Swing-, Dixie-, Blues- und Folklore-Elementen.
  • Es geht primär nicht um das Wesen des Stücks, sondern um die Formen und das Gestalten der musikalischen Sprache, ihrer Artikulation, und auch um die Möglichkeiten und Grenzen der Rezeption.
  • Die Musikwissenschaft vernachlässigt sie!

Quelle: "Gehobene Unterhaltungsmusik" Margaret Engeler (Verlag Krebs AG, Basel 1993)


Toni Leutwiler (Tom Wyler)

(31.10.1923 - 18.03.2009)


Geiger, Pianist, Organist, Saxophonist, Komponist, Arrangeur, Dirigent, Musiklehrer und Musikschulleiter


Toni Leutwiler (Pseudonym Tom Wyler) hatte als Komponist und als Arrangeur grossen internationalen Erfolg! In den 60er Jahren befand er sich auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn. Im Zeitraum von etwa 20 Jahren komponierte und arrangierte er rund 2000 Werke vor allem für gehobene Unterhaltungsmusik, inspiriert auch durch die rhythmischen Eigenarten von Swing und Jazz, welche die amerikanischen Truppen damals nach Europa brachten. Aus der ganzen Welt erhielt er Aufträge zu speziellen Bearbeitungen für Solisten, Orchestern, Filme und Werbesendungen.

 

 

Typisch für seine Musik ist

 

Er war einer der Wegbereiter für den Einzug des Jazz in die Unterhaltungsmusik in Europa.

 

Als Auftragskomponist und Arrangeur gelang ihm sehr erfolgreich der Brückenschlag zwischen klassischer, symphonischer Musik, Jazz, Schlager, Unterhaltungs- und Volksmusik!

Seine Auftraggeber waren rund 45 Radio-Orchester in 22 Ländern (auch Werbefunk, Fernsehen, Film und amerikanische College-Orchester), denen er die Bearbeitungen je nach Wünschen, Besetzungen, Möglichkeiten und Können auf den Leib zuschnitt.

 

Er gehörte zu den ersten Komponisten und Arrangeuren, welche aussergewöhnliche Experimente machten mit Halleffekten, Playback, Stereophonie (erste Stereoaufnahme am Schweizer Radio), doppelter Geschwindigkeit, 4- und 8-Spur-Aufnahmen, speziellen Soloinstrumenten, Klatschen, Pfeifen, Gitarre und verschiedensten Perkussionen in Radio-Orchestern von ganz Europa!
Seine Lieder feierten grossen Erfolg mit den Interpretationen durch den Tenor Fritz Wunderlich.

 

Seine Kompositionen und Arrangements wurden und werden heute noch gespielt von Solisten, kleinen Formationen, Salonorchestern, Blasmusiken, Tanzmusiken, Akkordeon-Orchestern, Jazzorchestern und Symphonieorchestern.

Er sagte über seine Musik:

"Jede Art von Musik habe ich gerne, vorausgesetzt, dass sie echt ist und gut gespielt wird! Man muss mit dem Herzen musizieren, das ist meiner Ansicht nach das Wichtigste! Meine Musik soll in gefälliger Weise einer breiten Zuhörerschaft gefallen!"

Seine Empfehlung an uns Musikfreunde:

"Findet selber heraus, was gute und was schlechte Musik ist, indem ihr lernt, bewusst und konzentriert Musik anzuhören. Jede Art von Musik, und wo es auch sei. Versucht, Feinheiten, verschiedene Instrumente und Klangfarben herauzuhören. Sucht den Rhythmus im Thema und nicht nur beim Schlagzeug! Es ist ähnlich wie in der Natur: Die wertvollsten Schönheiten sind verborgen. Euer Hörvermögen und euer Geschmack wird sich ausbilden. Dann werdet ihr viel mehr Freude an guter Musik bekommen!"

(Zitate aus dem unten erwähnten Buch von Margaret Engeler)

 

Frau Dr. Margaret Engeler schreibt in ihrem Buch "Gehobene Unterhaltungsmusik"

(Verlag Krebs AG, 1993) über Toni Leutwiler:

"Es gibt anerkannte U-Musikkomponisten wie Toni Leutwiler und Reto Parolari die mit Mitteln der U-Musik Werke komponierten, die durchaus der E-Musik zuzurechnen sind. Die Arbeit von Toni Leutwiler darf als repräsentativ für die Zeitspanne von 1946 bis in die sechziger Jahre hinein gelten. Seine Rolle lässt sich in einem Satz formulieren: Toni Leutwiler erkannte, dass der Charakter eines Unterhaltungsorchesters nicht so sehr durch Solisten und Kapellmeister bestimmt wird, sondern durch den Mann, der im Hintergrund steht und die Arrangements schreibt. Es waren Arrangements und Eigenkompositionen, die musikalisch, volkskundlich und soziologisch einerseits das allround-Talent Leutwilers als Unterhaltungsmusiker spiegeln, andererseits wesentliche zeit- und musikgeschichtliche Aspekte der damaligen Zeit aufzeigen!" 

 

Gemäss SUISA-Abrechnungen von 2014, 2015 und 2016 werden die Werke von Toni Leutwiler 50 - 70 Jahre nach dem Komponieren immer noch vor allem von der Schweizer-Musikwelle, aber auch von Sendern in Australien, USA, Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweden, Norwegen, Dänemark, Grossbritannien, Spanien, Hongkong, Singapur, Taiwan, Japan, Rumänien, Polen und sogar in Vietnam gesendet sowie hundertfach über das Internet heruntergeladen (iTunes, G-Play und Spotify)!

 

Weitere Informationen über Toni Leutwiler und seine Musik finden Sie im Wikipedia-Artikel, im Katalog der Schweizer Nationalphonotek, im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und in der Werkdatenbank der SUISA.