8. Musiker sucht Job

Folgende Entwicklungen am Radio beunruhigten Toni sehr:

Die Sendezeiten für anspruchsvolle Unterhaltungsmusik schrumpften immer mehr zusammen, entsprechend auch die Produktionen.

 

Zu den guten Sendezeiten hörte man immer mehr moderne Musik, und die Unterhaltungsmusik degenerierte zur blossen Geräuschkulisse.

 

Das sich ausbreitende Fernsehen benötigte Geld, Eigenproduktionen rentierten nicht mehr und "Konserven" (Tonträger) gab es genug (gratis). Deshalb wurde ein Orchester nach dem anderen aufgelöst und folglich wurden auch keine Dirigenten, Komponisten und Arrangeure mehr benötigt.

 

1968 wurden in Hamburg und Köln zwei bedeutende Radioorchester aufgelöst; 1970 kam dann auch für das Willi Stech-Orchester am Südwestfunk die traurige Stunde des Abschieds. Während 18 Jahren haben sich Dirigent und Musiker mit grossem Idealismus für gute Unterhaltungsmusik eingesetzt. Toni verlor damit seinen wichtigsten Arbeitgeber (und viele Radiomusiker ihre Existenz). Sein lieber Freund Willi Stech blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1979 sein bester Berufskamerad.

 

Nun begann Toni sich nach einem Musikerjob in der Schweiz umzusehen. Da suchte man für eine grössere Region Nähe Zürich einen fachlich bestens ausgewiesenen, diplomierten Musiker als Direktor einer Jugend-Musikschule; Wohnsitz am Arbeitsort. Er bewarb sich und fuhr hin. Die Herren Gemeinderäte offerierten ihm für diesen verantwortungsvollen Posten ein Jahresfixum, das etwa dem Monatslohn eines kleinen Beamten entsprach. Mit Musikunterricht könne man dann das Einkommen allmählich aufbessern. Welche Zumutung!

 

1966 begab er sich, zwecks Anmeldung, mit den persönlichen Schriften in die Einwohnerkontrolle der Stadt Bern. Der Bürochef begrüsste ihn persönlich und freute sich sehr, den Komponisten seiner Lieblingsmusik kennenzulernen. Im Gespräch machte Toni die Andeutung, er suche in Bern eine Arbeit und als er die städtische Einwohnerkontrolle verliess, hatte er einen Bürojob im Sack. Nach 1½ Jahren Unterbeschäftigung und einer Nikotinvergiftung als Passivraucher musste er diese Anstellung wieder aufgeben.

 

Danach versuchte er sich als Primar- und Sekundarschullehrer an einer Berner Privatschule, unterstützt von meiner Mutter, die das Mädchenturnen und die Mädchenhandarbeit übernahm. Bei den Korrekturen half mein Bruder Hanspeter jeweils mit, der in Bern gerade das Gymnasium besuchte. Es war eine aufreibende und hektische Zeit.

 

Doch bei diesem Abenteuer kam eine unerwartete Wendung: eine Anfrage für Heimorgelunterricht. Auf dem Dachboden der Schule befand sich eine kleine Orgel und im Musikgeschäft wurde ein Notenheft "Orgelschule für Anfänger" aufgetrieben. Damit waren die Weichen für die Zukunft gestellt.