6. Intermezzo

In diesem Kapitel hat Toni ein paar interessante Erlebnisse gesammelt
(nicht chronologisch wiedergegeben).

 

Vorerst eine nette Geschichte von zwei jungen Berner Mädchen; Vanessa und Tina. Sie traten öffentlich auf und begleiteten ihre Lieder mit der Gitarre. Vanessa, die ältere, wollte Schlagersängerin werden, hatte auch schon eine Single auf dem Markt (siehe nächstes Bild) und Toni erteilte ihr Unterricht in Musiktheorie. In dieser Zeit vernahm er von einem Canzone-Wettbewerb in Prado (Italien). Kurz entschlossen meldete sie der Vater der beiden Mädchen an. Nun fehlte noch ein neues Lied. Toni forderte Vanessa auf, einen Liedtext zu schreiben; die Vertonung besorgte er selbst. So entstand ein originelles Lied über ihren Papagei. Dann reiste der wackere Papa mit seinen beiden (noch schulpflichtigen) Töchtern und dem vertonten Papagei nach Prado.

 

Nach ihrer Rückkehr erzählten sie mit strahlenden Gesichtern, sie hätten den grössten Erfolg von allen Konkurrenten gehabt; jedoch keinen Preis erhalten. Der Grund war folgender: Wir wussten nicht, dass es sich um einen Wettbewerb für "Mama-Lieder" handelte. Die Verwechslung, die dann passierte, ist das Lustige an der Sache. Die familienfreundlichen Italiener glaubten, die Mädchen singen ein "Papa-Lied", denn der Text lautete: "Mein Papa - Papa - Papagei ...".

Selbstbegünstigung und Bestechlichkeit gehören auch zum Leben eines Musikers. Entweder man macht mit (mit allen Vor- und Nachteilen) oder man bleibt ehrlich und aufrichtig (eben wie Toni).

Einmal wurde ihm die Arbeit als Programmgestalter entzogen, weil er die Erzeugnisse gewisser Radioleute nicht ins Programm integrierte (bringt Tantiemen - und schlechte Programme).

Oder ein Abteilungsleiter eines Radiosenders setzte auf eine Leutwiler-Partitur seinen eigenen Namen, meldete das Werk der Autorengesellschaft an, setzte es fleissig ins Programm und kassierte die Tantiemen.

 

Ein anderes Mal liess ein wichtiger Auftraggeber nichts mehr von sich hören. Man erklärte ihm, dass seine fröhliche und witzige Bearbeitung eines Volksliedes die Achtung vor dem Volksgut missachtet habe und deshalb nicht gesendet werden könne. "Leider" wurde genau dieses "ehrwürdige" Volkslied kurz danach zum Faschingsschlager auserkoren und auf jede erdenkliche Art verunstaltet - es trafen danach wieder Aufträge ein.

 

Jetzt will ich noch von einer ganz anderen Musik erzählen:

1967 erstellten meine Eltern in Finsterwald im Entlebuch, einem abgelegenen, ruhigen Voralpental, ein kleines Ferienhäuschen, unser "Tannehüttli". Mehrere Jahre träumte es mit uns in die prächtige Landschaft. In dieser erholsamen Ruhe und guten Luft schöpfte Toni wieder Kraft für den Alltag. 1979 erstellte die Erdölgesellschaft LEAG in diesem schönen Hochmoor eine Zubringerstrasse, eine riesige Plattform und einen Bohrturm für Tiefbohrungen; dies in Sicht- und Hörweite von unserem "Tannehüttli". Rund um die Uhr wurde gearbeitet und aus dem Alp-Traum wurde schnell ein Alptraum. Die Proteste verhallten ohne Echo. Der deutsche Bohringenieur meinte dazu: "Für mich ist das Musik". Nach ungefähr 1½ Jahren stiess man auf Erdgasvorkommen und meinen Eltern blieb nichts anderes übrig, als das liebgewordene Paradieschen zu verkaufen.