4. Abenteuer beginnt

Nun interessierte sich auch Radio Genève für seine Kompositionen. Mit der Streicherformation "Tony Bell" nahm er 1949 bis 1952 mehrere seiner Berner Kompositionen in Genf auf.

 

Und dann geschah es: Radio Genève offerierte ihm eine feste Anstellung als Dirigent des Orchestre de la Suisse Romande mit Kompositions- und Bearbeitungsverpflichtung, Beginn 1. Oktober 1952. Eine solche Chance kommt nur einmal und so zog die ganze Familie (damals noch 6-köpfig; ich wurde als 5. Sohn in Genf geboren) in die Rhône-Stadt.

 

So kam es, dass er mit 28 Jahren am Dirigentenpult eines europäischen Spitzenorchesters stand (wieder war er einer der Jüngsten!). Man nannte die Formation, bestehend aus 50 Musikern, "Grand Jazz Symphonique". Von Genf aus wanderten seine beiden Streicher-Stücke "Happy Time" und "Lovely Day" in alle Welt hinaus (teils unter seinem Pseudonym Tom Wyler).

 

Ebenfalls 1952 gründete der bekannte Pianist und Kapellmeister Willi Stech das kleine Unterhaltungsorchester des Südwestfunks. Von Anfang an wurden Leutwiler-Stücke gespielt und daraus entstand eine tiefe Freundschaft, bis zu Stechs Tod im Jahre 1979.

 

Ein Kompositionsauftrag, der im viel Freude bereitete, war das "Konzert für Klavier, Jazz- und Sinphonieorchester". Am 4. März 1956 fand die Uraufführung unter seiner Leitung an einem öffentlichen Konzert statt. Als Stubenhocker tat ihm der rauschende Beifall wohl (ein Höhepunkt in seiner Karriere); doch es machte ihn etwas verlegen, als er danach auch noch Autogramme verteilen musste. Dasselbe Werk dirigierte er im gleichen Jahr noch an einer öffentlichen Aufführung im Palais de Chaillot in Paris (es wurde danach noch in München, Paris, Berlin, Köln, Frankfurt, Warschau aufgeführt).

 

Der Traumjob von Radio Genève ging 1956 zu Ende (schlechte Atmosphäre, Geldmangel u.a.m.). Da die Schweiz ihm nichts mehr zu bieten hatte, entschloss er sich, freischaffender Musiker zu werden. Durch Zufall fanden meine Eltern in Oetwil an der Limmat ein neu erstelltes Einfamilienhaus und es folgten die glücklichsten Jahre für die Familie und für seinen Beruf.

 

Seine Verdienstquelle war auf der anderen Seite des Schwarzwaldes und der Empfang der deutschen Sender war damals leider noch sehr schlecht. So waren monatliche Besuche in Deutschland notwendig.

 

1955 - Ausschnitt aus Zeitungsartikel "Faschingskonzert des Vorarlberger Funkorchesters", Dornbirn
1955 - Ausschnitt aus Zeitungsartikel "Faschingskonzert des Vorarlberger Funkorchesters", Dornbirn